Schlagwort-Archive: eInformation

Learning from eBusiness

Die Regierung in Australien hat für ihre Bürger eine ansprechende eGovernmentPlattform eingerichtet, die als eine der besten der Welt gilt. Für die Interaktion mit dem Volk wurde erst kürzlich eine Website aufgebaut, die es ermöglicht, einen personalisierten Account zu haben. Diese erinnert uns stark an Social Media oder eBusiness-Portale. Genau dieser Aspekt wird in einer Studie thematisiert. Sie versucht Analogien mit dem eBusiness herzustellen um erfolgreiche Wege aufzuzeigen. Dies ist gerade deshalb nötig, weil das politische System in Australien (repräsentative Demokratie) und die Tendenz der letzten Jahrzehnte, die politischen Entscheidungen zunehmend auf der exekutiven Ebene zu fällen, nicht gerade förderlich sind für die Beteiligung der Bürger (S. 107). Die einzige Möglichkeit der Einflussnahme auf die Politiker, welche sich zudem wegen der kurzen Amtsperioden (3 Jahre und weniger) in einem stetigen Wahlkampf befinden, sind Lobbys, Handels- oder Bürgervereinigungen (S. 108). Meinungsportale bilden hierbei eine erfrischende Möglichkeit, sich online für bestimmte Themen einzusetzen. Auf staatlicher Ebene wird die Entwicklung des eGovernment von einem Büro des Finanzdepartementes vorangetrieben.

Auf territorialer Ebene sind etwa die eParticipation-Site von New South Wales, welche mittels Forum, und der von Queensland, welche mittels Konsultationen den Bürgern einen Weg bieten sich zu äussern, gute Beispiele. Sie regen die Besucher aber nicht wirklich an am politischen Leben teilzuhaben. Deshalb wird die lokale Ebene als beste Basis angesehen um die eDemokratie umzusetzen. Allerding haben die lokalen Regierungen zu wenig Geld und politische Macht um grosse Projekte in die Wege zu leiten (S. 114). Eine Ausnahme bildet etwa der Internetauftritt der Stadt Darebin, die mittels Blogs oder Umfragen an ihrer Nähe zur Bevölkerung arbeitet. Hierbei darf aber nicht ausser Acht gelassen werden, dass nicht nur die Bürger, sondern auch alle anderen im Leben einer Gemeinde involvierten Interessengruppen mittels Konsultationen integriert werden sollten (Yigitcanlar, S. 10). Wie eine neue Studie am Beispiel der Stadt Casey zeigt, priorisieren die Behörden den Bereich eInformation und eServices zulasten der ePartcipation (was generell in Australien zu beobachten ist). Trotzdem ist die von der Stadt eigens kreierte Kommunikationsplattform ein sehr guter Ansatz in die richtige Richtung einer zweiseitigen und nicht nur einseitigen Kommunikation mit dem Volk.

Der Versuch, die Leute in Australien zu mehr eParticipation zu motivieren, scheint demzufolge weiterhin auf den Schultern der NGOs oder Bürgervereinigungen zu lasten. Ein entsprechendes Beispiel ist etwa eine Petitionsplattform, bei welcher man eigene erstellen und andere mitunterzeichnen kann. Wie die Studie richtig konstatiert, liegt das politische Potenzial des Internet nicht in der Möglichkeit das Volk mit den Politikern zu verbinden, sondern in der Möglichkeit, dass Bürger sich finden und selber weiterhelfen (Crabtree, 2002).

Advertisements

Uncle Sam: Wahlkampf zwischen Tradition und Moderne

Laut dem 2008 erschienenen UNO-Bericht zu eGovernment waren die Vereinigten Staaten von Amerika zu jenem Zeitpunkt in Sachen eParticipation Weltspitze. Gemäss dem Bericht war dies hauptsächlich der Stärke von eInformation und eConsultation, die einen grösseren Austausch mit der Regierung ermöglichen, zuzuschreiben (S. XIII). Eine Erkenntnis der Studie ist auch, dass die Wahlkampagne, die Barack Obama an die Macht gebracht hat, neue Meilensteine setzte. Die von YouTube gesponserten Debatten bei den demokratischen bzw. republikanischen Vorwahlen haben dem Bürger (bzw. dem Wähler) die Möglichkeit gegeben, direkt mit den Kandidatenanwärtern interagieren zu können; „[t]his direct interaction using ICT tools was unprecedented and ushered in an era of direct dialogue between politicians and citizens” (S. 17).

Der Wahlkampf von 2008 sei aber auch ein gutes Beispiel für das Spannungsfeld zwischen Tradition und neuen Technologien:

„Despite the tremendous changes ushered in during the past fifteen years, changes to political structures and democratic institutions have been on the whole more evolutionary than revolutionary, especially in most developed countries regarded as e-government leaders” (S. 109).

Spenden sammeln und debattieren erfolgten wohl viel online; Schlüsselprozesse wie die Finanzierung der Fernsehwerbung und die Wahlkampfoperationen in den einzelnen Gliedstaaten, liefen aber weiterhin nach dem traditionellen Muster (S. 109). Gemäss dem Bericht könnte sogar gesagt werden, dass die Kampagnen bürgerferner werden, da die komplexer gewordenen Prozesse zentral gesteuert werden müssen (S. 109).

In einer anderen Studie wurde zudem festgestellt, dass die Web 2.0-Instrumente, die während des Wahlkampfes eingesetzt worden waren, ähnlich stark genutzt wurden:

„[d]uring the presidential campaign, the website content was focused on the concept of change, whereas the most popular blog discussions were about the development of the campaign and the activities. After the election, the website focused on the promotion of the idea of change by emphasizing the key projects of Obama Administration such as Health Care Reform. This reveals the most significant finding of this descriptive study: the website served to seek support, rather than engage people in the decision/policy making process. Before and after the election, the content created both by the website editors and by the users is related to the promotion of the Obama Administration. Looking at the popular blog discussion titles, we do not see much critical discussion or public debate, suggesting many people login to barackobama.com to show support” (S. 14-15).

Im UNO-Bericht 2012 liegen die USA nicht mehr ganz an der Spitze, sondern zusammen mit dem Vereinigten Königreich auf Rang 3. Besonders erwähnt wird die wachsende Verbreitung von eParticipation via Social Media (S. 108). Damit lassen sich auch jene Bevölkerungskreise stärker einbinden, die bei der eParticipation auf dem klassischen Weg historisch weniger stark vertreten sind: Minoritäten, Personen mit niedrigen Einkommen, Frauen etc. Sie nutzen Social Media ähnlich stark wie die übrige Bevölkerung. Das Potenzial für diese Art der eParticipation ist gross, setzen doch rund zwei Drittel aller erwachsenen Internetnutzer auf Facebook, Twitter & Co.; das sind nicht weniger als 50% aller erwachsenen Amerikaner.