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Uncle Sam: Wahlkampf zwischen Tradition und Moderne

Laut dem 2008 erschienenen UNO-Bericht zu eGovernment waren die Vereinigten Staaten von Amerika zu jenem Zeitpunkt in Sachen eParticipation Weltspitze. Gemäss dem Bericht war dies hauptsächlich der Stärke von eInformation und eConsultation, die einen grösseren Austausch mit der Regierung ermöglichen, zuzuschreiben (S. XIII). Eine Erkenntnis der Studie ist auch, dass die Wahlkampagne, die Barack Obama an die Macht gebracht hat, neue Meilensteine setzte. Die von YouTube gesponserten Debatten bei den demokratischen bzw. republikanischen Vorwahlen haben dem Bürger (bzw. dem Wähler) die Möglichkeit gegeben, direkt mit den Kandidatenanwärtern interagieren zu können; „[t]his direct interaction using ICT tools was unprecedented and ushered in an era of direct dialogue between politicians and citizens” (S. 17).

Der Wahlkampf von 2008 sei aber auch ein gutes Beispiel für das Spannungsfeld zwischen Tradition und neuen Technologien:

„Despite the tremendous changes ushered in during the past fifteen years, changes to political structures and democratic institutions have been on the whole more evolutionary than revolutionary, especially in most developed countries regarded as e-government leaders” (S. 109).

Spenden sammeln und debattieren erfolgten wohl viel online; Schlüsselprozesse wie die Finanzierung der Fernsehwerbung und die Wahlkampfoperationen in den einzelnen Gliedstaaten, liefen aber weiterhin nach dem traditionellen Muster (S. 109). Gemäss dem Bericht könnte sogar gesagt werden, dass die Kampagnen bürgerferner werden, da die komplexer gewordenen Prozesse zentral gesteuert werden müssen (S. 109).

In einer anderen Studie wurde zudem festgestellt, dass die Web 2.0-Instrumente, die während des Wahlkampfes eingesetzt worden waren, ähnlich stark genutzt wurden:

„[d]uring the presidential campaign, the website content was focused on the concept of change, whereas the most popular blog discussions were about the development of the campaign and the activities. After the election, the website focused on the promotion of the idea of change by emphasizing the key projects of Obama Administration such as Health Care Reform. This reveals the most significant finding of this descriptive study: the website served to seek support, rather than engage people in the decision/policy making process. Before and after the election, the content created both by the website editors and by the users is related to the promotion of the Obama Administration. Looking at the popular blog discussion titles, we do not see much critical discussion or public debate, suggesting many people login to barackobama.com to show support” (S. 14-15).

Im UNO-Bericht 2012 liegen die USA nicht mehr ganz an der Spitze, sondern zusammen mit dem Vereinigten Königreich auf Rang 3. Besonders erwähnt wird die wachsende Verbreitung von eParticipation via Social Media (S. 108). Damit lassen sich auch jene Bevölkerungskreise stärker einbinden, die bei der eParticipation auf dem klassischen Weg historisch weniger stark vertreten sind: Minoritäten, Personen mit niedrigen Einkommen, Frauen etc. Sie nutzen Social Media ähnlich stark wie die übrige Bevölkerung. Das Potenzial für diese Art der eParticipation ist gross, setzen doch rund zwei Drittel aller erwachsenen Internetnutzer auf Facebook, Twitter & Co.; das sind nicht weniger als 50% aller erwachsenen Amerikaner.