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United Nations E-Government Survey 2012

Sich einen Überblick über den internationalen Stand von eParticipation zu verschaffen, ist kein leichtes Unterfangen. In den vorhergehenden Blogs haben wir uns über nationale Plattformen und verschiedene Studien an eine Reihe von Ländern bzw. Regionen herangetastet. Die Vielfalt der Ergebnisse ruft geradezu nach einer vergleichbaren Einordnung – einem Ranking also.

Diesen Versuch unternimmt das United Nations Public Administration Network. Es veröffentlicht seit 2004 alle zwei Jahre einen E-Government Survey (zuletzt für 2012). Die Studie befasst sich primär mit eGovernment im allgemeinen Sinn. Darin eingebettet ist aber auch eine Analyse des Entwicklungsstands bezüglich eParticipation (S. 43 ff.).

Zur Berechnung des sogenannten EGDI (E-Government Development Index) werden drei Bereiche zu je einem Drittel gewichtet: online service index, telecommunication index und human capital index. Für den zentralen online service index werden die nationalen Angebote der Regierungsstellen anhand von vier Entwicklungskategorien analysiert (S. 123).

  • emerging: Zugang zu einfachen Informationen über Regierungstätigkeit, Parlament, Gesetze etc. (News und Archiv)
  • enhanced: Einfache Formen der Zwei-Weg-Kommunikation (z. B. Herunterladen von Formularen) / Einsatz von Audio und Video
  • transactional: Möglichkeit, aktiv Input zu liefern (zu Regierungsprogramm, Parlament, Gesetze etc.) / Online-Steuererklärung, Beantragung offizieller Dokumente etc.
  • connected: Pro-aktives Einholen in Informationen und Meinungen der Bürger / Webauftritt, der nicht mehr die Regierung und Verwaltung in den Mittelpunkt stellt sondern die Bürger

eParticipation lässt sich vor allem im Bereich „connected“ ansiedeln, beginnt zum Teil schon im Bereich „transactional“. Dazu enthält die Erhebung eine Reihe spezifischer Fragen. Sie analysieren folgende drei Dimensionen: provision of information, interaction with stakeholders und engagement in decision-making processes.

Die Beantwortung des Fragebogens erfolgt aus der Perspektive der Benutzer. Die Antworten basieren auf der Auffindbarkeit und Zugänglichkeit der Inhalte, nicht auf deren Existenz. Das Total der Punkte wird auf einen Wert zwischen 0 und 1 normalisiert.

Nachstehende Tabelle zeigt links die zehn Länder auf den Plätzen 1 bis 5 (zum Teil mit gleichen Punktzahlen) und rechts neun Staaten rund um die Position der Schweiz. Auf der Rangliste noch hinter der Schweiz findet man Länder wie Italien, Liechtenstein, Irland oder Belgien. Von den 21 Top Performern liegen acht in Europa (38%), sieben in Asien (33%), vier in Amerika (19%) sowie je einer in Afrika (5%) und in Ozeanien (5%).

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Auf den ersten Blick erstaunt es schon, die Schweiz auf Rang 19 bzw. effektiv sogar erst an 47. Stelle zu sehen. Rein spontan überlegt man sich, wie zuverlässig eine solch umfassende und detaillierte Studie grundsätzlich sein kann. Dies auch, weil von Erhebung zu Erhebung zum Teil grössere Verschiebungen zu beobachten sind (siehe dazu die früheren Studien). Doch es gibt wohl auch eine direkte Erklärung: Schwellen- und Entwicklungsländern ist die klassische Bürgernähe und -beteiligung à la Suisse fremd. Dank der elektronischen Medien haben sie jedoch die Chance – und nutzen sie auch –, die Interaktion mit den (meist weit entfernten) Behörden auf eine neue Art auszuprobieren.

Zum Schluss sei noch erwähnt, dass weder Index noch Ranking etwas darüber aussagen, a) wie intensiv die Instrumente der eParticipation tatsächlich auch genutzt werden, b) wie gross die Zufriedenheit der Bürger/innen mit ihrer Regierung und der Verwaltung ist und c) wie hoch die Qualität der Regierungsführung einzuschätzen ist.

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Afrika: Bürgerbeteiligung nicht überall ein Fremdwort

Wie sieht die Lage der eParticipation in Afrika aus? Bei den „Top 21“ des eParticipation-Index der UNO-Studie 2012 taucht ein einziges afrikanisches Land auf (S. 43). Es handelt sich um Ägypten, das den siebten Rang (mit einem Index von 0.6842 – zusammen mit Kanada, Norwegen und Schweden) belegt. Dieses Resultat kann erstaunlich sein, wenn man an die anscheinend nicht besonders demokratiefördernde politische Lage im Land am Nil denkt. Das Ergebnis wird im Bericht mit „the use of consultation tools, including social media” erklärt. Die Regierung besitzt tatsächlich ein Portal, wo als Vision „efficient interactive services to the public over the telephone and internet“ aufgeführt werden. Dort findet man eine Reihe von Dokumenten rund um eGovernment, wobei diese allerdings nur auf Arabisch verfügbar sind; das gilt auch für den Link auf „Complaints & Inquiries“.

Als zweites afrikanisches Land im UNO-Ranking folgt auf Platz 17 Marokko (Index von 0.3947 – gemeinsam mit Luxemburg, Peru und Moldawien) (S. 134). Das erstaunt nicht, verfügt das Königreich doch über ein umfangreiches eGovernment-Portal, sogar mit einem speziellen eParticipation-Bereich.

Tunesien kommt als nächstes; das Land am Mittelmeer platziert sich auf Rang 18 (Index von 0.3684 – zusammen mit Österreich und Portugal) (S. 134). Die Verwaltung hat sich schon seit den 1980er-Jahren elektronisch entwickelt; dieser Prozess verlief grob in fünf Phasen. Eine wichtige Etappe im Rahmen der „é-stratégie“ war dabei die sogenannte „InteraktionsPhase“ (2003-2005):

„A cette phase, l’organisation propose un lien de communication plus personnel avec les citoyens en implantant une prestation électronique de service qui utilise la messagerie électronique, un moteur de recherche, téléchargement de formulaires et de cahiers de charges en ligne. C’est le début d’une communication électronique bidirectionnelle avec le citoyen.“

Gemeinsam mit Griechenland und der Schweiz folgt auf Platz 19 Äthiopien (Index von 0.3421) (S. 134). Es existiert eine eParticipation-Strategie, die sogar Diskussionsforen anbietet; die letzten Einträge datieren allerdings von 2012. Das Land wies 2012 einen „Human Development Index“ von 0.396 auf (zum Vergleich: Schweiz mit 0.913); im Parlament sind alle Sitze bis auf zwei einer einzigen Partei zugewiesen. Der eParticipation-Index scheint also nicht mit der menschlichen Entwicklung oder mit der Regierungsform des jeweiligen Landes gekoppelt zu sein. 

Während Europa beim eParticipation-Index für 2012 einen Durchschnittswert von 0.3482 aufwies, lag der Kontinent Afrika bei 0.0828 (Asien: 0.2738 / Amerika 0.2579 / Welt 0.2225). Das zeigt, dass neben den oben skizzierten Beispielen die grosse Mehrheit der afrikanischen Staaten – nicht unerwartet – diesbezüglich noch kaum in Erscheinung treten.

Weltmeister in Sachen eParticipation

Gemäss dem UNO-Bericht 2012 zu eGovernment, ist die Republik Korea (zusammen mit den Niederlanden) einer der beiden Staaten mit einem eParticipation-Index von maximal 1.0000 Punkten (S. 43). Das Land ist allgemein Weltspitze, da es auch im eGovernment-Ranking auf dem ersten Platz steht (S. 11); dies nicht zuletzt dank dem umfassenden Portal der Regierung (S. 24).

Das Portal informiert in einer separaten Rubrik „eGovernment“ über die diesbezügliche Strategie der Regierung und zeigt in einer längeren Liste sogenannte Best Practices auf; darin findet sich auch eine spezielle Plattform ePeople. Sie bietet für die Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, über ein zentrales Eingangsfenster Online-Petitionen einzureichen bzw. mit Beschwerden, Vorschlägen und Diskussionsbeiträgen am politischen Entscheidungsprozess teilzunehmen.

Gemäss einem im Schosse der UNO erstellten Referat, fing die Digitalisierung der Regierungstätigkeiten schon in den 1980er Jahren an, als administrative elektronische Datenbanken aufgebaut wurden. Federführend in Sachen eParticipation ist das Verwaltungs- und Sicherheitsministerium (vormals Verwaltungs– und Innenministerium).

Wenn man den Entwicklungsplan der Regierung bezüglich eGovernment liest, fallen einige Aspekte auf: Ein wichtiges Ziel ist es, schlanke und unbürokratische Verwaltungsdienste anzubieten, die nicht mehr PC-basiert sondern mobil und benutzerorientiert sind. Weiter geht es darum, die Bürgerbeteiligung im politischen Entscheidungsprozess durch Social Media zu verstärken sowie erweiterte Möglichkeiten der Kommunikation durch Echtzeit-Zugang zu Informationen über die Regierungstätigkeit zu schaffen. Es ist interessant anzumerken, dass kommerzielle Plattformen zum Einsatz kommen sollen, und dies trotz der Tatsache, dass diese gewinnorientiert agieren und nicht im Dienste des Staates stehen. Das ist freilich nicht bei allen eParticipation-Angeboten der Fall.

Es mag ein Problem der Sprache sein, aber wenn man die Internetauftritte der lokalen Regierungen anschaut, fällt es schwer, eParticipation-Angebote (unter den Bedingungen des UNO-Berichtes, d.h. mit dem „mind-set of an average citizen user” (S. 121)) zu finden (ausser, eben, die Social Media Anwendungen; siehe z. B. Daegu oder Gyeonggi). Man hat den Eindruck, dass es mehr um eGovernment (d.h. Dokumente zur Verfügung stellen, usw.) geht, als um ein wirkliches Mitgestalten des öffentlichen Lebens im Sinne der eParticipation.

Ausdruck bewusster Demokratie

Die OAS (Organisation Amerikanischer Staaten) hat eigens für die Entwicklung des eGovernment ein Portal eingerichtet. Dank ihm kann man sehr gut auf die Plattformen der jeweiligen Mitgliedsländer (ausser USA) zugreifen und sich ein allgemeines Bild über ihre jeweilige eAdministration verschaffen. Die Website wird aktualisiert und informiert uns über die neuesten Errungenschaften auf dem amerikanischen Kontinent. Der eParticipation und dem eVoting im Speziellen sind zwei eigene Register gewidmet, welche die aktuellsten Nachrichten in diesem Themenbereich auflisten. Will man Näheres erfahren, so muss man schon auf die Internetauftritte der jeweiligen Länder, Regierungen und Ministerien gehen.

Wie eine Studie zur Strategie des eGovernment in Südamerika näher erläutert, stehen die Staaten mehreren Grundproblemen gegenüber: die Infrastruktur der Technologie, die Sicherheit der Privatsphäre, die Schulung des Personals, die Bildung von Organisationsstrukturen und die Operationalisierungskosten (S. 3). Neben den allgemein bekannten Gründen wie Effizienzsteigerung und Transparenz gegenüber den Bürgern steht für diese Länder das enorme Sparpotenzial im Vordergrund: Kolumbien konnte schon 2003 dreistellige Millionenbeträge in der Verwaltung einsparen. Hand in Hand mit der Kostensenkung geht auch die Maxime der Optimierung der Investitionen. Dass dies im Falle Kolumbiens sehr gut gemacht wird, zeigen das Regierungsportal und die 2013 prämierte Plattform für eParticipation. Alle Seiten weisen zudem eine hohe Einbindung in die Welt der Social Media (insbesondere Facebook, Twitter, Google+ und Youtube) auf.

Uruguay ist das zweite Land, welches in der Studie als Beispiel aufgeführt wird. In ihr werden besonders die Möglichkeit der Teilnahme der Bürger durch die IKT-Systeme unabhängig vom Ort wo sie sich befinden (mag in einem eher kleinen Land wie Uruguay nicht eine besonders wichtige Rolle spielen, dafür aber in Fällen wie Brasilien umso mehr) und der Beitrag zur Bekämpfung der Korruption hervorgehoben (S. 7). Interessant sind dabei zwei Portale, die der Förderung der eParticipation dienen: eine virtuelle Bürgerplattform und eine Kommunikations- und Informationsplattform. Beide werden  durch NGOs und Interessengemeinschaften verwaltet und zeugen daher von einem hohen gesellschaftlichen Interesse an der Optimierung der Prozesse innerhalb einer Demokratie.

Man muss in jedem Fall anerkennen, dass die Entwicklung der eDemokratie (und mit ihr der eParticipation) fortschrittlich und ansprechend ist – insbesondere die Miteinbeziehung der Bürger. Gründe für eine solche Entwicklung, die in meinen Augen fortschrittlicher als in gewissen Staaten des alten Kontinents ist, mag vorab sein, dass es sich bei der Mehrheit dieser Staaten um junge Demokratien handelt, die erst im Laufe der 1970er und 1980er Jahre sich von straffen diktatorischen Regierungen loslösen und in immer wiederkehrenden Reformen im Verlauf der 1990er Jahre ihren Weg ebnen konnten (Rivero Illa, S. 11-13). Die eParticipation ist somit ein kleiner Zögling einer noch jungen aber interessierten und bewussten Demokratiebewegung in Lateinamerika.

Eine Frage von Kosten und Nutzen

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In Spanien bietet die Regierung mittels einer zentralen Plattform für eAdministration eine erste Anlaufstelle. Die im Bereich Social Media (Twitter, Youtube) gut implementierte Website wird aktualisiert und bietet Informationen in Hülle und Fülle. Sie verweist mit einem gut ersichtlichen Link auf einen Access Point für Bürger. Auf diesem werden für den Besucher die verschiedenen Themenbereiche nutzerfreundlich dargestellt, damit er schnell die gesuchten Dienste finden kann. Ein Reiter ist speziell für die Bürgerpartizipation eingerichtet; allerdings fällt dieser sehr mager aus. Die Gründe für diese grassierenden Unterschiede zwischen der eAdministration und der effektiven eParticipation sind mannigfaltig.

Aufgrund einer starken repräsentativen Demokratie hat die Zentralregierung die direkte Beteiligung der Bürger an Entscheidungsprozessen den Gemeinden überlassen. Bereits seit 1995 gab es mehrere vereinzelte experimetelle eVoting-Versuche in kleinen Gemeinden, die 2005 in einem kurzfristig angelegten Projekt beim Referendum zur Europäischen Verfassung gipfelten (Gutiérrez-Rubí, 2005). Zwar waren die technologischen Kapazitäten und Erfahrungen durch international anerkannte Firmen im Bereich Informationstechnik (wie etwa Indra Sistemas) gedeckt, doch entwickelte sich dieser Grosstest zu einem Rückschlag. Von 2 Millionen Bürgern nutzten gerademal 0.54% ihre Möglichkeit der Abstimmung via eVoting-System. Ähnliche, kleiner angelegte Projekte führten ebenfalls zu enttäuschenden Resultaten. Neben der bereits bekannten legislativen Probleme des eVoting ist auch die tiefe Wahlbeteiligung (im Vergleich zum Rest der EU) in Spanien ein Problem (Borge Bravo, 2005, S.13). Zusammen mit der Furcht der Politiker, das Kosten/Nutzen-Verhältnis dieser Projekte vor den Wählern nicht rechtfertigen zu können (erst Recht nach Beginn der Wirtschaftskrise 2008, welche Spanien besonders hart traf), ist diese Form der eParticipation zum Erliegen gekommen.

Andere Formen der eParticipation auf Gemeinde-/Stadtebene wurden 2006 und 2007 in einer eingehenden Studie thematisiert. Der hohe Grad an eInformation steht hier im krassen Gegensatz zur eKonsultation und zum eDiskurs (S. 9). Instrumente wie Foren, Blogs, Chats und Umfragen werden unterschiedlich eingesetzt, wobei letztere am meisten zum Einsatz kommen (S. 12-14). Von den Pionieren in Spanien Anfang des Jahrtausends hat einzig Madrid ein ansprechendes Portal mit einem ausgebauten Angebot (aber auch hier gibt es Verbesserungsmöglichkeiten). Es wird aber auf der höheren Ebene der Autonomen Regionen versucht, die lokalen Angebote zusammenzufassen und so Impulse zu schaffen (Bsp. Andalusien).

Leider steht die eParticipation, welche einiges dazu beitragen könnte, das arg gebeutelte Vertrauen der spanischen Bevölkerung in die Politiker wieder zu erwecken und den Wünschen der Menschen auf der Strasse mehr Gewicht zu verschaffen, im Schatten der eAdminitration, wo aus rein ökonomischen Gründen durchaus logische und wünschenswerte Neuerungen vorgezogen werden. Gemäss Empfehlungen und Zielen einer OECD-Studie aus 2012 sollte Spanien sein Hauptaugenmerk auf die Effektivität und die Kostensenkung mittels eAdministration lenken (s. 63-76). Hauptmaxime ist eine papierlose Verwaltung für das Jahr 2015. Zu diesem Zweck soll das elektronische System der Steuerbehörden als Vorbild für das Bildungs-, Gesundheits- und ganz besonders das Justizwesen dienen. Social Media soll als Instrument Nähe zum Bürger generieren und somit Transparenz und Vertrauen schaffen. Cloud Computing soll innerhalb der Verwaltungen die Prozesse erleichtern und vereinheitlichen. Zusammen mit bereits realisierten Projekten wie der elektronischen Zertifizierungstelle und der elektronischen Identitätskarte steht das eGovernment in Spanien auf festen Füssen und bietet der eParticipation in Punkto Sicherheit eine solide Basis für die Zukunft. Sofern die Gelder dafür gesprochen werden können.

Auf den Lorbeeren ausruhen verboten

Eine OECD-Studie von 2003 (S. 91) informiert uns über den damaligen Stand der eParticipation in Italien. Das Portal cittadigitali.it stellte zu jener Zeit offenbar eines der besten Beispiele der eParticipation im Lande dar. Wenn man das Portal jetzt betrachtet hat man nicht den Eindruck eines top-aktuellen Angebotes. Von fünf Städten (Biella, Lecce, Salerno, Trient und Treviso) die dort aufgeführt werden, scheint nur eine einzige (Biella) ihren Auftritt regelmässig zu pflegen; die anderen scheinen im Jahr 2012 stehen geblieben zu sein. Es ist also fraglich, inwiefern das hoch gepriesene Bestreben nach mehr eParticipation bei den Behörden wirklich tief verankert ist. Man könnte sich fast fragen, ob der Nutzen nur im Ver(sch)wenden von öffentlichen Geldern besteht … Übriges gewinnt man den Eindruck, wenn man die Inhalte der Seiten betrachtet, dass es sich viel mehr um eine Art Anschlagbrett für Organisationen und Kampagnen als um eine Plattform handelt, auf welcher die Bürger aktiv mitmachen dürfen.

Ein anderes Projekt, das in der Studie (S. 75) zitiert wurde, das der Gemeinde Casalecchio di Reno, ist unter der angegebenen URL nicht mehr zu finden. Immerhin bietet die Gemeinde einige E-Government-Dienste an. Ein wirkliches eParticipation-Angebot ist aber auf den ersten Blick nicht zu finden.

Die Stadt Bologna wird in der Studie ebenfalls ausführlich erwähnt (S. 121ff.). Anfang 2002 lief ein Projekt namens Demos, das eine Online-Konsultation der Bürger bezüglich des Verkehrs in der Stadt vorsah. Die Konsultation wurde „auf Einladung“ durchgeführt, d.h. es konnten nur die (rund 18‘000) Bürger, die auf der Internetseite der Gemeinde angemeldet waren, teilnehmen. Die Diskussion erfolgte in drei Phasen über moderierte Foren; ein Schlusspapier wurde am Ende der zweiten Phase von den Moderatoren verfasst und nochmals diskutiert. Es ist allerdings anzumerken, dass von den möglichen Benutzern nur gerade 362 sich beim Projekt eingeschrieben hatten (es wurden 723 Nachrichten verfasst). Dies trotz eines Diskussionsthemas, das angeblich auf einen breiten Interessentenkreis zählen konnte (man darf aber nicht vergessen, dass damals die Verfügbarkeit von Internetzugängen, vor allem in privaten Haushalten, kleiner war). Das Portal, auf welchem die Konsultation stattfand, hat übrigens in den frühen Jahren des letzten Jahrzehntes verschiedene Preise gewonnen. In Bologna befindet sich derzeit ein neues Bürgernetz im Aufbau, bei dem u.a. die Social Media besser eingebettet werden sollen. Es wird auch an einer eParticipation-Plattform gearbeitet.

Eine weitere Gemeinde, die in der Studie (S. 124) zitiert wird, ist Cesena. Das Programm für das Jahr 2001 der Gemeindeverwaltung wurde im Internet hochgeladen. Den Bürgern stellte man einen Fragebogen zur Verfügung, um ihre Anliegen kundtun zu können – und dies auch nach dem Inkrafttreten des Jahresprogramms, damit Massnahmen für die folgenden Jahre hätten ergriffen werden können. Heute dient ein eigenes Portal der Kommunikation zwischen Bürgern und Verwaltung. Dabei entsteht jedoch der Eindruck, dass der persönliche Kontakt bevorzugt wird: man kann z. B. sich anmelden um mit dem Bürgermeister zu telefonieren oder es finden Treffen statt.

Die zwei Seiten des Bundesadlers

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Wenn man eine Google-Suchanfrage nach eParticipation tätigt, könnte man den Eindruck erhalten, dass die Bundesrepublik auf diesem Gebiet federführend sei. Allerdings: analysiert man die Suchergebnisse genauer, kommen auch viele kritische Stimmen über eine angeblich fehlende Entwicklung der eParticipation zum Vorschein. 

Laut einer Studie des Instituts für Informationsmanagement Bremen, die jedoch schon älteren Datums ist (stammt aus 2008), weist Deutschland folgende Stärken auf (S. 6):

  • Die Nutzung der IKT erfolgt auf einem hohen Standard; als Beispiel wird das sogenannte Portal U genannt.
  • Konsultationen spielen eine grosse Rolle und sind, im Vergleich mit dem Ausland, auf lokaler Ebene sehr verbreitet. 
  • Dank der Online-Petitionen, die an den Bundestag gerichtet werden können, und dem dortigen Verfahrenskonzept unterhält Deutschland ein „international herausragendes Angebot“ (was aber wohl kaum den „Wirkungsgrad“ einer Volksinitiative erreicht). 
  • Die am weitesten entwickelten Angebote befinden sich im Bereich Kampagnen, Lobbying und Aktivismus. 

Die Schwächen werden wie folgt zusammengefasst (S. 7):

  • Die Möglichkeiten im Bereich der Information sind nicht ausgeschöpft.
  • Elektronische Konsultationsverfahren werden seitens des Bundes kaum eingesetzt, und der Zugang für den Bürger zu den bestehenden Konsultationen wird kaum leichter gemacht. 
  • Das Internet wird durch die Behörden kaum genutzt um Beschwerden usw. entgegenzunehmen; zudem existiert keine Online-Anlaufstelle für den Bürger.

Unser oben genannter Eindruck wird insofern bestätigt, als die Studie sagt: „dass in Deutschland zwar einige Leuchtturmprojekte existieren, die Diffusion in die Breite und vor allem die institutionelle Einbindung von E-Partizipationsverfahren jedoch stark verbesserungswürdig ist“.

In der Zwischenzeit existiert zumindest ein Portal bund.de, welches sich als „der zentrale Zugang zu den elektronischen Informationsangeboten und Leistungen der Verwaltung im Internet … für Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Verwaltungen“ anpreist.

Was die Chancen und Risiken angeht, so werden in der oben genannten Studie folgende Punkte genannt:

Die Chancen (S. 7) bestehen aus einem relativ grossen Interesse der Bevölkerung für die politischen Angelegenheiten sowie einer breit gestützten Absicht, diese über das Internet mitzuverfolgen und mitzugestalten. Portale wie abgeordnetenwatch.de (die der Überwachung der politischen Tätigkeiten der Abgeordneten dienen) sind dementsprechend sehr beliebt.

Die Risiken bestehen, um es kurz zu fassen, in einer gewissen „Schwammigkeit“ der ganzen Prozesse, die überdies mit „verwaltungsinternen Barrieren“ kollidieren könnten. Das oft fehlende Vertrauen der Bürger gegenüber den Bundespolitikern ist zudem für positive Erfahrungen der Bürger nicht besonders förderlich; die Lösung sei nur „durch ein längerfristiges, stufenweise aufgebautes und möglichst viele Verwaltungsbereiche umfassendes Programm, in dem Transparenz und Glaubwürdigkeit die Leitprinzipien sind“, zu erreichen (S. 7).